Hier stehen Ihnen Erfahrungsberichte von Patienten zum Thema Borderline und DBT zur Verfügung.

Was bedeutet Borderline für mich? - Frau V. aus Hagen im April 2009

Borderline ist wie Wellensurfen auf und mit Gefühlen.

Für mich gibt es keine Mitte, entweder geht es mir gut oder schlecht. Manchmal fühle ich mich wie erschlagen von meinen Gefühlsausbrüchen.

Wenn es mir gut geht, kann mich die kleinste Kleinigkeit aus der Fassung bringen und dann geht es soweit, dass ich Selbstmordgedanken habe.

Borderline ist eine Diagnose, die ich jahrelang nicht akzeptieren konnte. Erst durch das DBT- Programm in der HPK habe ich gelernt, dass es kein negativer Stempel für mein Leben bedeutet. Ich habe gemerkt, dass ich und mein Verhalten nicht der Anfang vom „Verrückt-Sein“ sind, sondern dass es zum Krankheitsbild gehört.

Ganz offen gehe ich allerdings immer noch nicht damit um, weil es mir peinlich ist, dass ich mit 43 Jahren eine Krankheit habe, die zum größten Teil junge Menschen haben.

Mit meiner speziellen Therapieform, meine Therapeutin ist im DBT-Netzwerk –Westfalen, stehe ich zwar noch am Anfang, aber ich lerne, wie ich einen Ersatz für die Selbstverletzungen finden kann. Das klappt nicht immer, aber ich habe diese bis jetzt reduzieren können. Durch das tägliche Ausfüllen der Diary-Card kann ich reflektieren, wie der Tag war. Dabei ist es wichtig, immer etwas Positives vom Tag aufzuschreiben, es kann auch nur ein kleiner Augenblick gewesen sein.

Das Schwierigste an der Borderline- Erkrankung ist für mich das Akzeptieren der negativen Gefühle, wie zum Beispiel Wut, die bei mir meist in Traurigkeit umschlägt. Wut hat für mich etwas Unüberschaubares. Und da ich im Leben sehr viel Wut von Menschen in meiner Umgebung erfahren habe, macht mir meine eigene Wut Angst. Wut hat für mich immer schlimme Konsequenzen und ich werde mit Hilfe meiner Therapeutin lernen, wie ich mit der eigenen Wut umgehe und dass nicht immer etwas passieren muss. Ob ich es annehmen und zulassen kann weiß ich noch nicht. Gefühle sind nicht gefährlich. Das habe ich noch nicht verinnerlicht, aber meine Therapeutin erinnert mich dann daran. Ich habe noch einen langen Weg vor mir, aber ich muss diesen nicht alleine gehen