Hier stehen Ihnen Erfahrungsberichte von Patienten zum Thema Borderline und DBT zur Verfügung.

DBT-Therapie

Ich komme in einen Gruppenraum, auf dem Boden steht ein „Koffer“ mit Dingen die wohl jeder andere als „Spielzeug“ bezeichnen würde. Im Raum sitzen noch einige andere Borderliner und haben das eine oder andere Teil daraus in der Hand. Meine Gedanken dazu?
Nun, ja was würde jeder andere darüber denken, wenn er sieht, dass erwachsene Menschen mit Igelbällen aus Kunststoff oder auch aus Holz, mit Gummibänder am Handgelenk spielen oder auch einen Lachsack in die Mitte des Raumes werfen?

Richtig!

Genau das habe ich auch gedacht. Jetzt bin ich im Kindergarten gelandet, oder auch nur noch unter total verwirrten.

Der Therapeut kommt herein und beginnt zu erklären was der Grund ist, warum ich nun in dieser Gruppe bin und was sich dort in den nächsten Wochen abspielen wird. Es wird u.a. um Achtsamkeit, Stresstoleranz, zwischenmenschliche Fähigkeiten und eben auch um sogenannte Skills gehen.

O.k. dachte ich warten wir mal ab, wie sich das so entwickelt. Auch wenn ich hoch motiviert war mich therapieren zu lassen, so war ich mir in dieser Gruppe schnell bewusst, dass ich das alles gar nicht will und auch nicht brauche. Nun gut, jetzt war ich hier und musste mit ansehen, wie mich der eine oder auch andere in dieser Gruppe ziemlich aufregte und ich mit einer ziemlich hohen Anspannung konfrontiert war. Sollte ich jetzt auch mal einen Skill benutzen?

Nein, auf keine Fall werde ich mich hier hinsetzen und mit Spielzeug hantieren. ........

Irgendwann dann einmal ging ich einfach los und kaufte mir selber einen Igelball, denn Zuhause kann man das ja vielleicht mal testen.

Bei der nächsten Gelegenheit, als ich mal wieder unter Strom stand holte ich ihn aus meiner Tasche und versuchte, ganz bewusst, meine Anspannung an den Ball abzugeben und siehe da es funktionierte tatsächlich. Von da an hat es irgendwie „klick“ gemacht in meinem Kopf und ich habe jede Menge Skills ausprobiert und mein „Notfallkoffer“ ist ein Sammelsorium von allen möglichen Dingen, die der Mensch eigentlich nicht braucht – ich aber schon! Natürlich geht im DBT nicht nur um das erlernen von Skills sondern es ist harte Arbeit an mir selber und an meinen bisher doch sehr destruktiven Verhaltensweisen. Besonders im zwischenmenschlichen Bereich fällt es mir sehr schwer mit anderen Menschen in gesundem Kontakt zu sein, ohne denjenigen entweder total zu idealisieren oder abzuwerten – schwarz oder weiß, dazwischen endlose Leere! In den einzelnen Modulen zu den Unterschiedlichen Bereichen habe ich sehr viel gelernt und lerne auch immer noch.

Just nach meinem letzten Einzelgespräch mit meinem Therapeuten ist mir mal wieder ein Licht aufgegangen. Ich sollte die Gruppensitzungen absolut als Übungsfeld dafür ansehen, bei mir selber zu bleiben anstatt mich über das Verhalten anderer aufzuregen, weil schlussendlich hat mein Ärger darüber meistens doch immer sehr viel mit mir selber zu tun.

Die DBT-Therapie hält für jeden Borderliner eine Menge „Neues“ bereit und bietet unendlich viele Möglichkeiten mich und mein Leben in eine Richtung zu lenken, für die es sich lohnt zu kämpfen. Ich kann mir für mich keine bessere Form der Therapie vorstellen selbst wenn es auch mal Zeiten gibt, in denen ich am liebsten alles hinschmeißen würde. Mein Anspruchsdenken an mich und auch an andere Menschen wird jedes Mal aufs neue auf eine sehr harte Probe gestellt. Aber gerade im DBT lerne ich damit umzugehen und mein Verhalten zu reflektieren um es dann zu verändern. Gerade weil ich die DBT-Therapie mache und weiß wie sehr auch Therapeuten in diese Therapie eingebunden sind, glaube ich das auch sie von der Arbeit mit uns profitieren, ob nun in positiver oder negativer Hinsicht.

Heißt es nicht: „Der Mensch wächst mit seinen Aufgaben“?

Bei mir heißt es: „Der Boderliner wächst am DBT“